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      EU-Binnenmarkt

      28. September 2026

      Großes Potential

      Der europäische Binnenmarkt ist der größte gemeinsame Markt der Welt und zählt zu den größten wirtschaftlichen Erfolgen der Europäischen Union. Gerade für Österreich wirkt er in unsicheren Zeiten als geoökonomischer Puffer, da etwa 70 % der österreichischen Exporte dorthin gehen. Dennoch bestehen trotz weitgehender rechtlicher Harmonisierung weiterhin erhebliche Handelshemmnisse zwischen den Mitgliedstaaten. Die EU ist daher noch deutlich von einem vollständig integrierten Binnenmarkt und dem vollen Ausschöpfen des damit einhergehenden Wachstumspotenzials entfernt. Insgesamt wurde erst rund die Hälfte der potenziellen Integrationsgewinne realisiert. Für Österreich besteht ein noch größeres Potenzial: Dank der bisherigen Integration liegt das reale BIP heute um rund 2 % höher, als es ohne den Binnenmarkt der Fall wäre. Der weitere Abbau von Handelskosten könnte zu einem gesamten BIP-Effekt von +5,3 % führen.

       

      Wie groß die innereuropäischen Handelshemmnisse nach wie vor sind, verdeutlicht auch eine Schätzung des IMF: Demnach entsprachen die innereuropäischen Handelskosten im Jahr 2020 im verarbeitenden Gewerbe noch einem Zolläquivalent von durchschnittlich 44 %. Im Dienstleistungsbereich lagen die entsprechenden Kosten sogar bei 110 %. Zum Vergleich: Zwischen den US-Bundesstaaten belief sich das Zolläquivalent im Warenhandel auf lediglich 15 %. Die Vollendung des Binnenmarkts würde einen wesentlichen Beitrag zu mehr Wachstum, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit in Österreich und Europa leisten.

       

      Trotz seiner Erfolge bleibt der EU-Binnenmarkt unvollendet, da bislang erst die Hälfte der möglichen Integrationsgewinne realisiert wurde. Die gute Nachricht: Es liegt in der Hand der Europäer:innen selbst, dieses Potenzial durch wirtschaftspolitische Maßnahmen zu heben. Dazu gehören die schnellere und wirksamere Durchsetzung bestehender Regeln, der Abbau nationaler Barrieren, insbesondere im Dienstleistungssektor, eine Modernisierung des europäischen Gesellschaftsrechts sowie eine Stärkung des europäischen Kapitalmarkts. Denn der EU-Binnenmarkt stärkt Europas Resilienz nach innen und seine Handlungsfähigkeit nach außen. Seine weitere Vertiefung ist daher nicht nur ein wirtschaftliches, sondern auch ein geostrategisches Gebot.

       

       

      Grafik: BIP-Effekte einer Vertiefung des EU-Binnenmarktes
      Quelle: Fontagné und Yotov, 2026.
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